Die Ramsauer Klettersteige & das imposante Dachsteingebirge
Ohne jeden Zweifel hat jeder schon mal davon gehört, die Berglandschaft rund um den Dachstein. Dieser Gipfel reizt mich ja schon sehr lange und obwohl es fest am Plan stand, war der Aufstieg uns dann doch zu unsicher mit der immer mehr wachsenden Gletscherspalte.
So kam es, dass wir in der Gegend dann doch die etwas anderen Touren planten, wovon es zweifellos mehr als genug gibt. Und eines kann ich euch nach der 2-Tagestour versichern, dieses Bergland hab ich bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen.
Start- und Endpunkt: Parkplatz in Ramsau beim Feistererhof
Übernachtung: Guttenberghaus 2.146m
Ausgangspunkt für den Sinabell Klettersteig und den Ramsauer Klettersteig sowie unzähligen weiteren Wandertouren
Distanz unserer Tour: etwa 25km
Geschätzte Höhenmeter: ca. 3400hm inkl. Klettersteige
Gipfel: Sinabell 2.349m, Eselstein 2.552m, Gamsfeldspitz 2.655m, Scheichenspitze 2.664m, Hohe Rams 2.551m
Schwierigkeit: Anspruchsvoll, Klettersteige B/C, C/D, vereinzelt unterschätzte Stellen
Tag 1:
Es ist 5:20Uhr und ich stehe am Bahnhof Frohnleiten, wo unser Treffpunkt für die Abfahrt ist.
Ute kommt pünktlich kurz vor 5:30Uhr und wir können gleich losstarten nach Ramsau wo das Auto beim Biohof Feisterer für etwa €4 pro Tag parken wird.
Etwa 2 Stunden später kommen wir hier an und sehen uns erst mal um, denn eines steht fest:
Der Ausblick ist schon von hier unten ein Traum.
Wir finden den Weg ganz offensichtlich beschildert und folgen erst einer Wiese die schnell übergeht in einen steilen Schotterweg. Hier laufen wir erst mal vorfreudig einige Kilometer entlang, bis wir bei der unteren Seilbahnstation für Lebensmittel, die direkt beim Guttenberghaus endet, einen einstieg auf einen schmaleren und auch schon felsigeren Weg weiter hochsteigen.
Bald wird das felsige Gelände eine Art Serpentinenstraße für Wanderer und rund um uns herum ist noch viel Wiese zu sehen.
Der Anstieg ist an sich nicht lange – etwas über 3km, aber doch sehr steil, denn wir legen bis zur Hütte etwa 1000hm zurück.
Ich wundere mich, wie schnell wir hier oben waren. Beschrieben war der Aufstieg mit 3 Stunden, wir brauchen etwa 2.
Am Guttenberghaus angekommen, schnaufen wir erst mal durch orientieren uns ein wenig und ich beiße ein paar mal von der mitgebrachten Jause ab, da ich noch nicht gefrühstückt hatte.
Ute stellt sicher, dass wir einen Teil unseres Gepäcks im Haus unterbringen können um nicht alles am Klettersteig mitzuschleppen.
Der Wirt bleibt uns wohl nicht besonders fröhlich in Erinnerung, denn er ist nicht besonders freundlich.
Und dann kommt der Hammer: Ute hat den Gurt vom Klettersteigset zuhause liegen lassen.
Nach diesem kurzen Schock, sammeln wir uns erst mal und fragen den Wirt um ein Leihgeschirr, das er ihr zum Glück borgen kann. Wow, was für ein Schock gleich zu Beginn – natürlich mussten wir später darüber lachen 😀
Wir sehen in der Nähe der Hütte einige Beschilderungen und der Einstieg zum geplanten Sinabell Klettersteig ist etwa 3min Gehzeit entfernt. Ich würde doch eher auf 5-10min tippen, aber der Weg ist gut zu finden und wenn man direkt davor steht kann man den Anfang des Steiges auch nicht übersehen.
Weils ja gleich zu Beginn am besten ist, alle Hoppalas abzuhaken, rutsche ich noch auf dem steilen Schotterweg aus und schürfe mir Hand und Knie auf. Na bravo, das fängt ja schon gut an. Zum Glück nichts ernstes, nach kurzem verarzten gehts auch schon wieder weiter und endlich beginnen wir die steile Wand hinaufzusteigen.
Ich klettere ja noch nicht sehr lange, fühle mich jedoch bereits relativ sicher. Aber Ute ist erfahrerner Guide und startet somit voraus.
Nach den ersten Metern wird mir bewusst wie viel Spaß mir das klettern macht und zu unseren langen Wandertouren, ist das eine sehr willkommene Abwechslung. Schon bald kommen wir immer Höher und hängen praktisch in der Felswand. Die Griffe sind gut und der Felsen rau, an manchen Stellen jedoch muss man sich seitlich mit gestreckten Armen an der Wand entlang ziehen, weil es keine Tritte gibt. Wir beschließen für uns, dass wir diesen Steig keinem Anfänger zutrauen würden und teilweise finden wir auch die B/C stellen etwas unterschätzt.
Wir allerdings haben unseren Spaß und ich persönlich finde es genial einen Steig zu klettern, den ich noch nicht kenne.
Der Blick nach unten lohnt sich allemal. Wir sehen von der Weite unsere Unterkunft für heute Nacht und ein Stück weiter oben findet man sogar eine kleine Kerbe in die eine Bank gespreizt wurde um den Ausblick zu genießen. Natürlich bleiben wir dabei auch gesichert. Einfach herrlich.
Wir sind nun schon eine Stunde im Steig und allzu hoch ist es von der Kerbe aus nicht mehr. Die letzten Meter führen uns noch mal an der Felswand nach oben, als wir auch schon auf einer Wiese stehen und somit auf dem Plateau des Sinabellgipfels.
Hier erwartet uns ein Gipfelkreuz und ich habe zum ersten mal zumindest einen kleinen Blick auf den Dachsteingipfel der von einem anderen Berg zum Großteil verdeckt wird. Und trotzdem überkommt mich Sehnsucht – dieser Berg hat es mir angetan.
Der Gipfel des Sinabell ist aber keineswegs zu unterschätzen denn von hier aus überblickt man weites Bergland und herrliche Aussicht in alle Richtungen.
Es ist nun Mittag und da wir super gut in der Zeit liegen, beschließen wir eine Jausenpause einzulegen. Wir setzen uns direkt unters Kreuz auf eine Bank und genießen unser Essen bei Weitsicht und guter Unterhaltung.
Da es in dieser Höhe etwas windig ist und wir großteils im Schatten liegen, machen wir uns jedoch bald wieder auf den Weg und überlegen schon was wir heute noch machen möchten. Es gibt hier ja auch noch die Sinabell Übungsklettersteige die etwa 10 min von der Hütte entfernt sind und wir dachten eigentlich daran diese zu machen.
Erst aber müssen wir den Weg auf der anderen Seite des Berges wieder zurück laufen der etwa 30-45min dauert. Ständig kommen wir an Schildern vorbei, die andere Gipfeltouren beschildern und so können wir uns gut orientieren und ich mache mir einen groben Überblick, was es denn hier noch so alles gibt.
Es ist ein warmer Tag, deshalb gönnen wir uns, zurück bei der Unterkunft ein kühles, spritziges Getränk und unterhalten uns darüber wie wir den Tag noch verbringen. Ich schlage eine weitere, kleine Wanderung vor, denn es stand bereits fest dass uns die Übungssteige eher weniger reizen, nachdem wir doch schon den langen und schwierigen Gipfelaufstieg gemeistert hatten.
Ute fragt noch mal den Wirt und der empfiehlt uns den Westgrat Klettersteig auf dein Eselstein der sich zeitlich noch super ausgehen würde. Also stand es fest, doch noch eine weitere Kletterpartie.
Diesmal führt unser weg unten an der Hütte vorbei und einen anderen Pfad wieder nach oben. Laut Beschilderung wären wir in etwa 30min bei der Gruberscharte.
Dieser Anstieg hatte es aber doch noch mal in sich – man legt hier doch einige Höhenmeter zurück und so wären wir eher auf 40min gekommen und das obwohl wir bestimmt keine langsamen Wanderer sind.
Hier oben wird es wieder windiger und ich merke, dass ich etwas unterzuckert bin, also muss ich bei der Gruberscharte erst mal einen Riegel essen und Kreislauf checken um sicherzustellen noch genug Kraft für den Eselstein zu haben.
Aber es geht gut, die Stärkung hat geholfen. Nach kurzem Überlegen hab ich wohl heute doch zu wenig zu mir genommen, für unseren Aktivitätspegel.
Also setzen wir unseren Anstieg fort und haben noch etwa 15min schon sehr felsiges Gelände vor uns. Ein Blick über die Gegend lässt staunen. Wir sind nun auf der anderen Seite dieses Gebiets und hier sind entweder Felswände oder breites, steiniges Tal in dem man einige Wege erkennen kann.
Wir sehen nun schon unsere morgige Route – ein einziger lang gezogener Felsgrat mit mehreren hohen Gipfeln auf die wir über eine weitere Kletterei kommen. Darauf freue ich mich sehr!
Wir erreichen den Einstieg des Westgratsteiges in dem wir uns eher rechts und nach oben hin halten, es gibt noch einen zweiten und leichteren Steig nach oben, der links lang führen würde.
Und plötzlich stehen wir vor der Wand die wir nun hochkraxeln wollen.
Erneut überkommt uns die Klettermotivation und steigen ein. Während wir im Felsen hängen, stellen wir erneut fest, dass dieser Steig wohl leichter angeschrieben steht, als aus unserer Perspektive betrachtet. B/C soll der Schwierigkeitsgrad sein, wir würden ihm eher reinen C geben. Zwischendurch hat man immer wieder Sportkletterstellen zu überwinden, denn der glatte Fels macht es nicht gut möglich hoch zu kommen und so helfen uns die Steig- und Griffbügel weiter, bis wir schließlich nach etwa 30 Minuten wieder oben ankommen und erneut einen fantastischen Weitblick haben. Hier schreiben wir uns natürlich auch ins Gipfelbuch ein und ich bin stolz auf unsere heutige Leistung.
Der Rückweg folgt über die andere Seite wieder hinab und stellt sich als rutschig heraus, denn hier liegen viele Felsbrocken über die wir steigen und wandern müssen und zwischendurch ist wieder Schotter. Beim hinabgehen entdecke ich auf dem Boden etwas glänzendes und stelle erfreut fest, dass es sich um 1€ handelt, den ich natürlich als Glücksbringer in meine Tasche verschwinden lasse. Ungefähr 45 Minuten geht der Wanderweg zurück zu unserer Hütte und heutigen Schlafgelegenheit.
Diesen Tag lassen wir natürlich gemütlich ausklingen. Jetzt wirklich gut erschöpft, checken wir ein und erhalten statt des gebuchten Matratzenlagers, eines von 2 Zimmern im Winterraum, da heute sehr viele Kinder und Jugendliche das Matratzenlager beschlagnahmen.
Wir sind sehr überrascht wie gut ausgestattet der Winterraum ist und dankbar über den großzügigen Schlafplatz. Denn unser Stockbett hat eine Breite von mindestens 1,40m. Und sowas hat man auf einer Hütte wohl eher selten.
Bevor wir zum Abendessen gehen, steht noch Katzenwäsche im Waschraum an, der 4 Waschbecken mit kaltem Wasser beinhaltet. Duschen auf Berghütten ist und bleibt eher Luxus.
Endlich etwas wärmer eingepackt (mittlerweile ist kräftiger und kühler Wind aufgezogen) setzen wir uns in den Speiseraum und bestellen unser essen, auf das ich mich schon sehr freue.
Natürlich bleiben wir eine Weile sitzen und unterhalten uns, bis wir schließlich immer müder werden und uns langsam auf das Bett freuen.
Im Schlafraum zurück legen wir uns auch schon bald ins Bett. Doch nicht lange überkommen uns Gedanken und tauschen uns noch mal aus, haben noch den ein oder anderen Lachkrampf wegen lustiger Gespräche, bis uns endlich die Augen zufallen.
Tag 2:
Als wir wach werden, ist es draußen noch dämmrig. Wir wollten sowieso früher los starten, da wir heute noch einiges vor haben, bevor unsere Autofahrt nach Hause noch ansteht.
Wir machen uns also fertig und begeben uns hoch zum Frühstück, das hier zum Glück schon sehr früh serviert wird.
Nachdem gestern auch das Abendessen eher mager ausfiel, freue ich mich heute morgen auf eine ausgiebige Portion Müsli und Joghurt und schönen warmen Tee.
Als wir dann schließlich losgehen, merken wir dass der Tag heute weniger schön als gedacht werden würde. Der Himmel ist grau und der Nebel hängt quasi vor unseren Augen.
In der Hoffnung dass dieser nachlässt, wandern wir los in die selbe Richtung wie gestern Nachmittag zur Gruberscharte hinauf, bis unser Weg diesmal statt rechts hoch, gerade weiter
ein Stück abwärts führt und dem Weg entlang den wir gestern schon vom Eselstein aus so gut einsehen konnten.
Wir haben heute den Ramsauer Klettersteig vor uns, der schön am Grat von 3 Gipfeln entlang führt und insgesamt eine Länge von 3km aufweist. Eigentlich könnten wir direkt bei der Gruberscharte einsteigen, allerdings ist es uns lieber, zuerst den langen Weg auf die andere Seite zu wandern, anstatt diesen noch zum Schluss vor uns zu haben.
Die Wanderung zum anderen Ende dauert ungefähr noch 1,5 Stunden von der Gruberscharte aus und wohin der Blick auch fällt, hier sieht es überall wie auf dem Mond aus. Karge Landschaft, Felsen, Steine wohin der Blick auch fällt. Eigentlich ziemlich einzigartig zwischen den Bergen durchzuspazieren und solche Landschaft vor sich zu haben, wo es weit und breit nichts anderes gibt. Der Nebel macht die Stimmung natürlich noch imposanter.
Schließlich stehen wir vor dem letzten Abschnitt vor dem Beginn des Klettersteigs. Hier ziehen wir unsere Sicherheitsgurte an und steigen ein steiles Stück auf rutschigem Untergrund hoch. Alleine dieser Anstieg war schon kräftezehrend.
Und dann sehen wir das erste Sicherungsseil und auch stellenweise die Sonne wie sie sich durch den nebelverhangenem Schleier einen Weg bahnt.
In diesem Steig bin ich in meinem Element. Diesmal mache ich den Anfang und ich liebe es mich im Felsen auf und ab zu bewegen. Zum ersten Mal hab ich wirklich das Gefühl dass mir das Klettern leicht fällt und habe eine ganz neue Sicherheit dabei. Es war erst mein 4. Klettersteig, aber die Übungen am Vortag haben echt gut getan und mich gestärkt.
Zwischendurch werden wir immer wieder mit ganz tollen Aussichten belohnt und bald schon kommen wir auf den ersten Gipfel: den hohen Gamsfeldspitz auf 2.655m Höhe.
Hier erst mal eine kleine Rast, denn wir sind nun schon über 1 Stunde im Klettersteig. Leider können wir uns hier nicht ins Gipfelbuch eintragen, denn es ist keines vorhanden. Wir stärken uns mit ein paar Keksen, bevor wir unseren Weg fortsetzen.
Nun steigen wir erst wieder tiefer hinab, müssen dann eine kurze Wanderstrecke ohne Sicherung hinter uns bringen und steigen auf der anderen Seite wieder hinauf. Der nächste Gipfel ist dann die Scheichenspitze mit 2.665m und unser heutiger höchster Punkt. Der Aufstieg hier rauf war auch gar nicht so einfach mit dem Rucksack auf dem Rücken, denn wir mussten durch enge Felspassagen durch und ich blieb dauernd mit meinen Wanderstöcken im Fels hängen.
Eu
Und unser letzter Gipfel für heute, der uns auch noch mal ins schnaufen brachte weil wieder ein sehr steiler Wanderpfad zu überwinden war, bevor man ganz hoch klettern konnte – die hohe Rams mit 2.551m Höhe plus Gipfelkreuz. Hier gibt es ein sehr nettes Platzerl rund um das Kreuz mit Bänken und wir beschließen hier unsere Jause zu verzehren und den Ausblick nun endlich mit Durchblicken durch den Nebel zu genießen.
Danach gehts nur noch einen A/B Steig nach unten und ich fühle mich so safe, dass ich mich hier kaum mehr sichere.
Schließlich erreichen wir nach etwa 3,5 Stunden wieder den Ausgangspunkt – die Gruberscharte und wandern die letzten paar Hundert Meter nach unten zurück zum Guttenberghaus. Wir holen unsere restlichen Sachen, trinken noch einen Durstlöscher und freuen uns über die letzten 2 Tage und dessen Ereignisse.
Ich bin nun auch richtig müde und merke die Erschöpfung der beiden Tage. Also gehen wir unseren Weg nach unten zum Auto an. Je weiter wir nach unten wandern, umso wärmer wird es. Ich war die beiden Tage jetzt nicht an Hitze gewohnt – wir hatten höchstens 23 Grad hier oben und unten gefühlt über 30 Grad. Durch den Nebel hielt ich es auch nicht notwendig mich mit Sonnencreme einzuschmieren – das meine Lieben, habe ich bereut 😀
Nach weiteren 1,5 Stunden erreichen wir unser Auto, sind super happy und machen uns wieder auf die Heimreise, mit wahnsinnig tollen Erinnerungen im Gepäck. Was für eine tolle Zeit!
Eure Tamara












